Scolopendra gracillima Verpaarung
Scolopendra gracillima ist ein relativ kleiner Hundertfüßer aus dem asiatischen Raum. Der ca. 6-7cm große Skolopender ist in Indonesien, Malaysien und Vietnam verbreitet. Ich habe aktuell vier Tiere aus einer Wildfangnachzucht von Anfang 2024. Da die Tiere mittlerweile ausgewachsen sind, und ich endlich nochmal etwas Zeit hatte, wollte ich mich mal an einer Verpaarung versuchen.
Eigentlich gibt es keine Beschreibung eines äußeren Geschlechtsdimorphismus bei der Art. Dennoch steht aktuell die Vermutung im Raum, dass man bei den Tieren, die ursprünglich aus Jakarta, Indonesien, importiert wurden, sichtbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern hat: Die Weibchen sind stämmiger, breiter gebaut, derweil die Männchen etwas kleiner und deutlich schlanker sind. Zusätzlich scheinen sich die Weibchen durch rötlichere Beine von den Männchen mit gelblichen Beinen zu unterscheiden. Allerdings ist das gerade alles noch Theorie und Mutmaßung.
Basierend auf dieser Annahme, konnte ich in meinem Bestand zwei Paare bilden.
Regulär halte ich meine Scolopendra gracillima relativ pragmatisch in 800ml Dosen mit ca. 11cm Durchmesser. Für meinen Verpaarungsversuch wollte ich den Tieren aber auch mehr Ausweichfläche bieten und habe eine 3l Braplast-Dose für diesen Zweck vorbereitet. Als Bodengrund habe ich das übliche Substrat mit 60% Schwarztorf, 30% Lehm und 10% Sand angemischt und in ca. 5cm Höhe in den Dosen leicht angedrückt. Zwei größere Stücke Korkrinde sollen als Versteck und Möglichkeit für ein Spermanetz dienen.
Bevor ich die beiden Paare in jeweils eine Dose zusammengesetzt habe, habe ich jedem Tier nochmal eine tote Shelfordella lateralis (Schokoschabe) zu fressen gegeben, die zumindest von einem Weibchen direkt angenommen wurde. Nach ca. einer Stunde zum Runterkommen, habe ich dann die beiden Paare zusammen gesetzt.
Das erste Paar hat sich direkt getroffen. Skeptisch, aber ohne Aggression, haben sich beide Tiere erstmal beschnuppert und sind dann jeder seines Weges gegangen. Ca. eine Stunde später konnte ich dann sehen, wie sich das Weibchen unter eine Korkrinde zurückgezogen hat und einen weißen Knubbel an der Geschlechtsöffnung hatte. Auch wenn ich die eigentliche Paarung nicht beobachten konnte, vermute ich, dass eine Übergabe der Spermathek erfolgreich war.
Beim zweiten Paar konnte ich leider noch nichts erkennen, außer dass beide Tiere gemeinsam unter einer Korkrinde waren.
Ich habe beide Paare über Nacht zusammen gelassen und ca. 24 Stunden nach dem Zusammensetzen auch wieder getrennt. Nun muss ich abwarten, ob die Verpaarung erfolgreich war, und ob eine Eiablage beim Weibchen passiert.
Ich habe mich entschieden, dass ich die Männchen wieder in die kleinen 800ml Dosen setze, die für diese Art vollkommen ausreicht. Die Weibchen lasse ich jedoch in den 3l Dosen, damit ich die Jungtiere später einfacher separieren kann.
Bei Scolopendra gracillima reicht eine Befruchtung für bis zu drei Würfe aus, die in relativ kurzen Intervallen von ca. 6-9 Monaten hintereinander erfolgen.