Solarpunk mit RCT Power Manager und Home Assistant
Heute wurde unsere PV-Anlage in Betrieb genommen und wir konnten unseren ersten eigenen Strom produzieren und nutzen. Darum ein allererster Eindruck aus unserem Setup.
Die Komponenten
Für die Technik-Nerds eine Auflistung unserer Bausteine:
- 24x Aiko Neostar 2S+ Solar Paneele, 11,16kWp
- RCT Power Storage DC Wechselrichter, 10,0kW
- RCT Power Batterie Block, 9,6kwH
- RCT Power Manager als EMS (Energie-Management-System)
Überwachung und Steuerung mit Apps
Wie heute überall üblich, werden alle modernen Geräte mit Apps für Android oder iOS gesteuert. An dieser Stelle ist RCT ein wenig Altbacken und sperrig. Insgesamt mussten wir drei Apps installieren, und für zwei unterschiedliche Zugänge einrichten. Bei einem Zugang musste unser Elektriker uns und unseren Wechselrichter eintragen und freischalten.
Die Apps:
- RCT Power App: Die simpelste App zur schnellen Übersicht des Heimnetzes. Ohne Login findet die App direkt den Wechselrichter und zeigt die aktuelle Stromproduktion der Paneele, Ladestand des Batteriespeichers und wie viel Strom aus dem Wechselrichter in den Haushalt oder das Netz eingespeist wird. Auch der Netzbezug wird angezeigt.
- RCT Power Manager: Die App bietet eine erweiterte Übersicht des Heimnetzes. Neben Live-Daten, die bereits die RCT Power App anzeigt, gibt es auch historische Daten und Diagramme, Prognosen zu Kosten und Einsparungen und das wohl wichtigste Feature der App: Man kann den Fluss des generierten Stroms durch Prioritäten steuern. Beispielsweise zuerst die Wärmepumpe bedienen, bevor man den Batteriespeicher läd. Oder das EV bevorzugt laden.
- RCT Power Portal: Diese App ist im Endeffekt ein Wrapper um das Web-Dashboard. Auch hier bekommt man Verbrauchs- und Erzeugungsdaten in Echtzeit und kann Einstellungen von kompatiblen Geräten verwalten.
Um ehrlich zu sein, sehe ich in den Apps ziemlich viele Überlappungen und weiß noch nicht genau, ob auf lange Sicht alle drei Anwendungen für uns nötig sind. Gerade das Power Portal erscheint aktuell ein nettes Gimmick zu sein, auf das wir wohl verzichten können. Der Power Manager wird wohl in Zukunft wichtiger werden, wenn wir die Wärmepumpe in Betrieb nehmen, oder ein EV anschaffen. Doch scheinbar ist der Power Manager wohl an ein Subscription Model gekoppelt, das uns noch nicht ersichtlich ist. Wahrscheinlich, weil wir uns noch in der kostenfreien Phase des Abos befinden. Das ist bisher der größte Negativpunkt an dem System, wenngleich EUR 3 / Monat erstmal nicht die Welt sind. Dennoch würde ich gerne auf diese Ausgabe verzichten.
Integration in Home Assistant
Da Home Assistant eh unsere zentrale Steuereinheit für Smart Home Komponenten ist, bietet es sich an, den Wechselrichter und Batteriespeicher auch dort einzubinden. Dazu bietet Home Assistant auch direkt ein Energie-Dashboard, das bisher bei uns ungenutzt war.
Damit die Komponenten in Home Assistant verfügbar sind, musste ich die Erweiterung RCT Power aus HACS installieren. Anschließend konnte ich die Entitäten RCT Power Battery und RCT Power Storage einbinden. Mit insgesamt über 100 Entitäten an beiden Integrationen, war die Einrichtung des Energie Dashboards erstmal etwas verwirrend. Bis ich dann mal in die Dokumentation auf Github geschaut habe. Da steht es eigentlich relativ eindeutig, was man konfigurieren muss:
- Netzbezug wird mit der Entität
Grid Energy Consumption Totalbelegt - Netzeinspeisung muss mit
Grid Energy Production Absolute Totalbelegt sein (wichtig, die Absolut Variante nehmen!) - Für die Solar Paneele habe ich mich für
Generator A Energy Production TotalundGenerator B Energy Production Totalentschieden, damit ich die Ost- und Westausrichtung der Paneele vergleichen kann. Alternativ hätte ich auchAll Generators Energy Production Totalfür die Summe nehmen können. Die errechnet mir Home Assistant im Dashboard aber auch automatisch. - Energieeinspeisung der Batterie wird über
Battery Stored Energybereitgestellt - Energieverbrauch der Batterie wird aus
Battery Used Energyausgelesen
Mit diesen Einstellungen zeigt das Dashboard auch sofort Die Energieverteilung an und erstellt stündlich zusammengefasst die Diagramme für Stromnutzung und PV-Erzeugung.
Der erste Eindruck
Natürlich kann ich am allerersten Tag nach Inbetriebnahme noch keine verwertbaren Daten erheben. Von 13h bis 17h haben wir erstmal 2,77kWh an Strom über PV erzeugt. Für einen Wintertag finde ich das erstmal ganz nett. Da wir aber auch noch unseren Batteriespeicher erstmal vollladen müssen, und der noch kalibriert wird, haben wir gerade mal 36% Autarkie und beziehen noch Strom vom Versorger.
Bis März kann ich mir nun ein grobes Bild unseres Stromverbrauchs im Detail machen - eine grobe Monatsübersicht habe ich mir selber am Zähler abgelesen und per Tabellenkalkulation dargestellt. Dann folgt die Installation der Wärmepumpe, die das Bild abermals verändern wird.
Ausblick
Bei nächster freien Minute werde ich mal schauen, ob es eine freie EMS Alternative zum RCT Power Manager gibt. Idealerweise auch mit Integration in Home Assistant. Dann kann der App-Berg vielleicht auch wieder vom Smartphone geschmissen werden.
Ansonsten werden wir wohl über die nächsten 12 Monate unsere Energieerzeugung und Verbrauch genau beobachten und schauen, wo wir eventuell noch was optimieren können. In der Zeit werden wir sicherlich auch einige Verhaltensweisen anpassen, damit wir möglichst wenig Netzbezug haben werden, also beispielsweise Wäsche waschen auf sonnige Tage verschieben.
Auch die aktuelle Dimension unseres Batteriespeichers muss sich erstmal in der Praxis beweisen. Reichen uns die 9,6kWh? Reicht uns das auch später mit der Wärmepumpe? Wie ändert sich dann alles, wenn mal ein EV in unseren Haushalt kommt?
Es bleibt spannend und ich freue mich schon auf weitere Erkenntnisse und Entwicklungen.