State of Social Media: Frust Und Noch Mehr Frust
Ich bin ja schon länger von der Big-Tech Social Media frustriert und habe Facebook, Instagram und Twitter (neuerdings X) den Rücken gekehrt. Zugegeben, aktuell eher so Shadow Leaving, da ich meine Accounts dort noch nicht gelöscht habe, aber diese Plattformen einfach nicht mehr nutze. Vielleicht kommt der nächste Schritt aber auch bald.
Meine Frau bemerkt auch schon länger, dass sich ihre Feeds auf Facebook und Instagram geändert haben; sie sieht kaum noch Beiträge ihrer Freunde, sondern nur noch emotionale Videos von Tierleid, Clickbait und “Sugguested Content”. Scheinbar hat sie da eine relativ hohe Frustrationsgrenze, denn bisher nutzte sie beide Plattformen erstmal stillschweigend weiter. Doch gestern machte sie sich dann doch auf Facebook mal Luft. Das interessante: Die Reaktionen aus ihrer Bubble waren allesamt gleich. Man hätte ähnliches bemerkt, man würde nichts mehr aus dem Freundeskreis sehen. Und unisono hieß es auch: Man sei primär nur noch für Konzerte und Veranstaltungen auf Facebook, weil es keine Alternative gäbe, wo Bands Werbung für sich selber machten.
Nun zeigt sie mir ihren Beitrag und die Kommentare - und ich stehe noch frustrierter daneben. Es gäbe ja vielleicht eine Alternative. Man könnte auf das Fediverse hinweisen. Entweder zur Teilnahme an einer Mastodon, Friendica oder sonstigen Instanz. Oder ein Kommentar meinte gleichsam, dass er wohl schon Ideen zu einem eigenen sozialen Netzwerk hatte - und ich hoffe, er mein damit nur den Betrieb einer FOSS Anwendung und nicht das erstellen from scratch. Natürlich ist das auch eine Möglichkeit, selber aktiv eine Plattform zu betreiben.
Aber dann fängt es ja auch schon wieder an: Verdrossenheit, dass man nicht was neues versuchen will. Blockadehaltung, weil auf der anderen Plattform sind ja nicht die Bands, die Werbung machen. Oder die Freunde, die sind ja doch bei Facebook. Mangelndes Durchhaltevermögen, weil man vielleicht warten muss, bis alle Freunde und Bekannte eine Alternative zu den großen Social Media verwenden. Angst vor Zersplitterung, dass die einen schlicht zu Bluesky wechseln, die nächsten zu Mastodon, die anderen zu was anderem, vielleicht dem neuen sozialen Netzwerk, das der Bekannte komplett selber geschrieben hat.
Am Ende sage ich schlicht gar nichts. Ich bin alt genug, um die besseren Social Media Alternativen gesehen zu haben. Und dabei zu sein, wie diese gegen Facebook, Instagram oder TikTok verloren haben. Oder eine eigene Nische besetzen, die gänzlich neben Meta existiert und scheinbar unbeachtet von der Masse funktioniert. Ich lasse den Leuten ihren Frust, damit ich selber nicht frustrierter werde, dass die Leute sich ihren goldenen Käfig eigentlich selber ausgesucht haben - und im Endeffekt gar nichts wirklich ändern wollen. Jammern und Meckern ist scheinbar einfacher, als selber aktiv zu werden, und auch mal unbequeme Entscheidungen zu treffen.