Weishaupt Wärmepumpe in Home Assistant

Nachdem wir im Spätsommer letzten Jahres unsere PV-Anlage und Wärmepumpe bestellt hatten, wurde gestern endlich die neue Heizung eingebaut. Ob der aktuellen weltpolitischen Situation und drohenden Gaskrise hätte es keinen besseren Zeitpunkt geben können.

Natürlich müssen wir nun erstmal Erfahrungen mit der neuen Art des Heizens sammeln und die Anlage kennenlernen. Mir persönlich hilft beim Verständnis eigentlich immer, wenn ich Metriken und Diagramme habe. Darum war die erste Aktion nach der Inbetriebnahme auch die Integration in Home Assistant. Aber der Reihe nach.

Die Komponenten

Für die Technik-Nerds eine Auflistung unserer Bausteine:

  • Weishaupt Splitblock WSB 18 mit 13,3 KW Heizleistung
  • Weishaupt Warmwasserspeicher mit 300 l
  • Weishaupt Pufferspeicher mit 120 l

Da die Heizkörper in unserem Second Hand Haus gerade etwas mehr als 10 Jahre alt sind, haben wir vorerst keinen Austausch gemacht; alle Ventile passen für den hydraulischen Abgleich.

Steuerung mit Portal und App

Für uns war der Einstieg in Portal und Apps etwas holprig. Die Erstellung eines Benutzerkontos ging noch ohne Probleme, aber als ich dann die Anlage registrieren wollte, lief ich in ein geplantes Wartungsfenster, das erstmal bis 19h lief und mir den Weg blockierte…

Natürlich kann man die Wärmepumpe old school direkt an der Anlage steuern. Wir haben uns erstmal gegen ein Raumthermostat entschieden und stattdessen nutzen wir App und Portal von Weishaupt. Natürlich kostet der Zugang zu dem Dienst. Allerdings haben wir erstmal einen Gutschein über 5 Jahre zum Einbau der Wärmepumpe bekommen, und ich verstehe auch, dass der Betrieb von solcher Infrastruktur Geld kostet. Und da ist es mir lieber ein paar Euro im Monat zu zahlen, alsdass auf einmal die Server einfach abgeschaltet werden.

Das Online Portal ist ziemlich altbacken und sperrig. Es erinnert mich an typisches datengetriebenes UI-Design aus den späten 90ern/frühen 2000ern. Aber es ist funktional und da ich an den Einstellungen nur selten was ändern muss, kann ich mit der Oberfläche relativ gut leben.

Prinzipiell sehe ich eigentlich nur Handlungsbedarf für

  • Party-Modus
  • Urlaubs-Modus
  • eventuell Umstellung von “normal” auf “komfort” (also Erhöhung der gewünschten Raumtemperatur) bei Bedarf
  • Boost der Warmwasseraufbereitung, wenn man doch mal außerhalb der regulären Zeiten duschen will

Natürlich geht die Steuerung nicht nur über das Online WEM Portal, sondern auch über Smartphone Apps. Aber genau wie bei RCT scheint auch Weishaupt nicht ganz klar die einzelnen Anwendungszwecke abzugrenzen. So findet sich im Google Play Store die Weishaupt Heizungssteuerung, die uns auch der Installateur nannte. Doch habe ich in dieser Anwendung nicht mal den Login geschafft.

Vielmehr muss man den Weishaupt Energie Manager installieren und kann sich dort mit den Zugangsdaten aus dem WEM Portal anmelden.

Die App ist ein wenig aufgeräumter als das Portal, wirkt aber auch wie aus der Frühzeit der Android Anwendungen. Aber auch hier: Die wichtigsten Aktionspunkte sind prominent in einem Karussell zugänglich und der Bedarf an Einstellungen ist eher sporadisch denn regelmäßig.

Integration in Home Assistant

Da Home Assistant eh unsere zentrale Steuereinheit für Smart Home Komponenten ist, und bereits Wechselrichter und Batteriespeicher dort eingebunden sind, bietet sich auch eine Integration der Wärmepumpe dort an.

Zur Einbindung musste ich Weishaupt WBB aus HACS installieren. Es gibt noch Weishaupt WEM Portal, das per remoting auf das offizielle WEM portal zugreift, allerdings finde ich direkte Integration deutlich besser.

Nachdem die Erweiterung installiert war, konnte ich über Einstellungen, Geräte & Dienste, Integration hinzufügen einfach Weishaupt WBB auswählen und dem Einrichtungsassistenten folgen.

Die IP Adresse, die die Wärmepumpe per DHCP von meiner Fritz!Box bekommen hat, habe ich am Gerät von “automatisch” zu “manuell” umgestellt und im Router einen statischen lease konfiguriert, damit die Wärmepumpe immer die gleiche IP bekommt.

Bisher habe ich mit den nun verfügbaren Entitäten noch nicht viel gemacht. Mutmaßlich lassen sich aber auf den ersten Blick alle Einstellungen vornehmen, die ich auch über das WEM Portal tätigen kann. Vielleicht wird die offizielle App und das Portal dadurch bereits obsolet und Home Assistant wird auch für die Heizungssteuerung unsere Steuerzentrale.

Dadurch, dass ich nun aber auch im Home Assistant Zugriff auf den Außentemperatursensor der Heizung habe, konnte ich mir schon mal Schimmelsensoren für die Räume einrichten, die ich bereits mit Sonoff Thermometer und Hygrometer ausgestattet habe. In der Wohnetage ist das vielleicht nicht so kritisch, da wir eh jeden morgen Stoßlüften. In den Kellerräumen wird das Thema aber schon wesentlich interessanter.

Ergänzung: Aufnahme der Wärmepumpe ins Energie-Dashboard

Home Assistant hat leider keinen dedizierten Punkt, um eine Wärmepumpe im Energie-Dashboard aufzunehmen. Darum muss die Wärmepumpe als Einzelgerät hinzugefügt werden.

Als Energie des Geräteverbrauchs habe ich die Entität WH Statistik / Elektr. Energie heute ausgewählt und einen Anzeigenamen vergeben. Die anderen Felder habe ich leer gelassen.

Und schon habe ich neue Kacheln zu Detailverbrauch Einzelgeräte oder Energiefluss im Dashboard, was mir schön aufschlüsselt, welche Energie in aus welcher Quelle in die Wärmepumpe oder den restlichen Haushalt fließt.

Der erste Eindruck

Wir wussten bereits im Vorfeld, dass eine Wärmepumpe für uns eine Lernkurve darstellt. Zuvor hatten wir eine wirklich sehr schmale Gastherme, die so gerade unser Haus beheizt hat und als Durchlauferhitzer für Warmwasser auch schon mal an die Grenzen kam. Da ist die Geschwindigkeit und vor allen Dingen die Temperatur des Warmwassers erstmal ein positiver erster Eindruck.

Nachdem wir zum Einbau für drei Tage keine Heizung hatten, war unsere Wohnetage erstmal etwas ausgekühlt. Zwar hatten wir sonniges Wetter mit konstant 16° C Außentemperatur und schon einige Dämmungen vorgenommen, dennoch waren wir bei ca. 18° C in den Räumen angelangt. Nachdem die Wärmepumpe in Betrieb genommen wurde und sich langsam erstmal hochgefahren hat, blieb die Wohnung erstmal “kalt”. Die Apps zeigten an: “EVU Drosselung”. Okay, wieder was neues zu lernen. Aber um 22h wurde die Drosselung aufgehoben und die Temperaturen stiegen langsam an.

Ausblick

Langsam geht der Frühling los und bis zum nächsten Winter werden wir die Wärmepumpe noch nicht vollständig ausnutzen oder kennenlernen. Natürlich kommen noch ein paar kalte Tage bis dahin, aber sicherlich keine extremen Temperaturen. Dennoch können wir nun schon mal die Metriken beobachten und das Raumklima fühlen, um die neue Heizung besser kennenzulernen. Gerade das Zusammenspiel zwischen PV, Batteriespeicher und der Wärmepumpe wird sicherlich noch ein spannendes Erkundungsfeld.